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Hamilton Khaki Air Race GMT – mit 250 ins Hafenbecken von Monaco

6 September 2011

…und da lag sie nun – aber rollen wir die Geschichte von vorne auf.

Jules VernesGekauft wurde sie ursprünglich von Jules Verne, wobei „gekauft“ nicht ganz richtig ist, er hat sie sich erdacht. Um 1866 herum muss es gewesen sein, da war ihm aufgefallen, dass er auf seiner Reise zum Mittelpunkt der Erde keinen adäquaten Zeitmesser dabei hatte und da nun das Abtauchen auf 20000 Meilen unter dem Meer anstand, voilà..!
Jules Verne war ein weiser, bedachter und weit vorausschauender Mann und so stattete er die „Hamilton“ genannte Uhr mit einem massiven Gehäuse ohne separate Lünette und mit Saphirglas aus, auf dass bei den diversen Abenteuern, die da noch kommen mögen nichts zu Bruch gehe. Für das kommende, schon durchgeplante Abtauchen sollte sie wasserdicht sein – irgendwas mit „2″, weil gerade Zahlen hübsch sind und man daran ganz viele Nullen anhängen kann. Er hängte für’s Erste 2 Nullen an, denn daraus ergab sich durch Multiplikation mit seiner Lieblingszahl 1852000 die Tiefenresistenz von 20000 nautischen Meilen, die sein neues Projekt erforderte.
Bei diesem Vorhaben galt es viele riskante Situationen zu überstehen und in ebensolchen ist es wichtig, agieren zu können – zum Beispiel durch das geschäftige Drehen an Einstellschrauben und Rädchen. Jules spendierte der „Hamilton“ also 3 Regelventile um sie krisenfest zu machen – natürlich konnten diese erst nach dem Losschrauben betätigt werden, denn Schrauben ist wichtig und noch einen Tick schöner als gerade Zahlen, die ja auch schon unglaublich schön sind.

Da er sich beim Gehäuse aus pragmatischen Gründen gegen Messing (seinem Lieblingsmetall) und für Edelstahl entschieden hatte, griff er bei der Gestaltung des Ziffernblatts, das ja vom ingeniösen Saphir geschützt wird auf das orangene Metall zurück und malte die überlebenswichtigen Skalen mit einer Messingpaste auf. Wobei hier auch ungerade Zahlen zur Verwendung kamen, da ihm im Schaffenswahn einfach die geraden ausgegangen sind, er sich nicht wiederholen wollte und das binäre System noch nicht ausgereift war.
Nun strahlte die „Hamilton“ also mit schönstem Orange, noch viel schöner als gerade Zahlen und sogar als Schrauben. Jules verband diverse dieser Ziffern mittels damals todschicker Zahnräder mit den aussenliegenden Regelventilen und konnte so diese Uhr für alle noch so erdenklichen und noch zu erfindenden Abenteuer wappnen: Städteanzeige für eventuelle längere Ballonfahrten, Zeitzonen allerorten für die unberechenbare Verkrümmung des Raum-Zeit-Kontinuums und eine einstellbare Countdown-Funktion zur sekundengenauen Bestimmung des erst viel später erfundenen Turbolochs.
Den Antrieb übernahm ein hochkomplexes Räderwerk, das er von seinem damaligen Azubi „Fretag“ bauen liess und zum Zeichen des Dankes „Fretag 2893-2″ nannte – wobei „2893″ seine zweite (oder vierte) Lieblingszahl war, „-“ die später von seinem Kollegen Albert Einstein entdeckte kosmologische Konstante darstellte und die „2″ zum Schluss die Schönheit der geraden Zahlen würdigen sollte.
Hieraus kann man auch ersehen, wie dreist die schweizer Uhrenindustrie den Klau und Ausverkauf heroischer Ingenieursleistungen betreibt – denn als der Geschmacksmusterschutz 1999 auslief, kopierte sie kurzerhand dieses wegweisende Werk, machte sich nichtmal die Mühe, die Zahl zu ändern und liess einfach nur ein paar Buchstaben weg: (FR)ETA(G) 2893-2!

NautilusAber zurück zu Jules. Der stach am 17. März 1869 mit seiner Nautilus und der Hamilton am Arm in See um den Mariannengraben Lügen zu strafen und der Welt zu beweisen, wie still tiefe Wasser wirklich sind! Es ging tiefer und tiefer, die Tage und Wochen, gar Monate vergingen – und dann, als er es fast nicht mehr zu hoffen wagte, setzte die Nautilus am Grund der Erde auf. Jules war so geschlaucht von den beengten Platzverhältnissen der Nautilus, dass er beschloss, nach draussen zu gehen und einen kleinen Spaziergang an diesem wunderschönen Frühherbst-Tag zu machen. Dabei passierte das undenkbare: er blieb an einem Laternenfisch (diese Art leuchtete damals noch nicht) hängen und da das Nato-Band noch nicht erfunden war, riss die Hamilton vom Arm und verschwand mit dem Laternenfisch in der ewigen Dunkelheit. Zu Tode betrübt schlurfte er zur Nautilus zurück – nicht wissend, dass ihm posthum die Ehre zuteil werden sollte, eine neue Art erschaffen zu haben. Denn der Laternenfisch wurde betaphysisch durch die Leuchtmasse der Hamilton phosphorisiert, pflanzte sich fort und heute leuchten alle Laternenfische.
Jules jedoch erholte sich nie wieder von diesem Verlust, schrieb nach der Heimkehr noch lustlos seine Erlebnisse auf und verstarb 1905 vereinsamt und zeitlos. Sein wichtigstes Vermächtnis jedoch, die Hamilton verweilte lange Jahre auf dem Grund in 20000 Meilen Tiefe und stabilisierte mit ihrer erstaunlichen Gangreserve das Zeit-Raum-Kontinuum. 1914 jedoch ging auch diese Reserve zur Neige und im Juli des Jahres blieb die Hamilton stehen. Die Auswirkungen auf das Weltgeschehen waren verheerend und sind jedem aus den Geschichtsbüchern bekannt:
Durch den weggefallenen Takt des Fretag 2893-2 nahe dem Erdmittelpunkt kam es zu einem Matrixfehler der 8. Dimension, die Erde wölbte sich da, wo die Hamilton lag auf und bildete innerhalb weniger Tage den zweithöchsten Massiv der Erde – den K2. Die weltweite Aufregung sorgte am österreichischen Hof für einige Fehlentscheidungen und der erste Weltkrieg nahm seinen Lauf.

…derweil die Hamilton nun nicht mehr in tiefster Tiefe, sondern in höchster Höhe lag und auf eine brauchbare Zukunft wartete. Aber zu diesem Zeitpunkt bahnte sich bereits Rettung an….
Andre CitroenAndré Citroen, ein grosser Bewunderer Jules Vernes, hatte bei einem konspirativen Treffen mit diesem die Hamilton gesehen und ward von dem Gedanken nicht mehr losgelassen, sie eines Tages sein Eigen nennen zu können. Der Bau des Eiffelturms, die Gründung seiner gleichnamigen Automobilfirma, all dies waren nur hilflose Versuche des Zeitvertreibs bis er, als die Wirren des 1. Weltkriegs sich gelegt hatten, seine Kreuzzüge zum Auffinden der Hamilton beginnen konnte. Um Konkurrenten fernzuhalten, deklarierte er seine Expeditionen zu Forschung- und Erkundungsreisen, eine Unwahrheit, die Einzug in die Geschichtsbücher gefunden hat und heute nicht mehr als solche bekannt ist.
Besonders naturschlau war er jedoch nicht und so begann er die Suche 1924 erst in Afrika (heute als „croisère noire“ bekannt), wo er natürlich aufgrund seiner fehlerhaften tektonischen Berechnungen nicht fündig wurde. Aber Citroen hatte Durchhaltevermögen und so nahm er 1929 erneut Anlauf, sattelte seine „chénilles“ getauften Raupenfahrzeuge und startete zur „croisière jaune“ – diesmal ins richtige Planquadrat, Richtung K2. Der Presse diktierte er eine leicht abweichende Route, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Croisiere JauneAm 24. Juli 1931 erreichte seine motorisierte Karawane unter übermenschlichen Anstrengungen das Hochplateau, auf dem die Hamilton lag – doch galt es, sie nun auch im Schneemeer zu finden. Ihre Leuchtkraft hatte sie bereits an den Laternenfisch verloren, die hätte in diesem Weiss aber auch nichts genutzt. Aber die damals so pragmatisch applizierten orangenen Messingzahlen erstrahlten in voller Pracht durch die Schneedecke und so konnte André Citroen nach nur 2 Tagen lokaler Suche seinen Traum in Händen halten. Er schüttelte sie vorsichtig und das Fretag 2893-2 begann wieder zu schlagen. Die einsetzende Schwingungsresonanz von 28800 Hz hatte eine lokale Auswirkung mit späterem Weltruhm: ein nicht synchronisierter Expeditionsteilnehmer erfuhr durch die Taktung einen akuten Wachstumsschub mit extremem Haarwuchs und musste zurückgelassen werden – Jahrzehnte später wurde er von einem gewissen Reinhold Messner gesichtet und unter dem Namen „Yeti“ weltberühmt.
YetiAndré Citroen jedoch setzte tarnungshalber seine Expedition fort, musste auf dem weiteren Weg nach Peking noch manch haarige Situation durch fleissiges Drehen an den Regelventilen der Hamilton entschärfen und schaffte es Überlieferungen zufolge, durch die Zweckentfremdung der Countdown-Funktion (Turboloch!) rechtzeitig zu Weihnachten 1932 wieder in Paris einzutreffen, wo er ausgiebig mit seiner Familie feierte und sich für den Silvesterabend 1932/33 mit Armand Peugeot zu einem automobilen Duell verabredete. In alkoholgeschwängertem Übermut bot er als Wetteinsatz die unter unglaublichen Strapazen ergatterte Hamilton an.
Am 31. Dezember um 20:00 Ortszeit trafen sich die Duellanten auf einer einsamen Landstrasse nahe dem Örtchen Le Mans – an diesem Abend sollten Citroens Vergesslichkeit und seine französische Schludrigkeit ihm zum Verhängnis werden:
Auf dem Papier war seine Rosalie mit dem 6-Zylinder-Motor dem Peugeot 301 mit Vierzylindertriebwerk überlegen, aber André hatte am zweiten Weihnachtstag aus einer Laune heraus ein neues Band für seine Hamilton basteln wollen und bediente sich dazu des gewebten Antriebsriemens der Lichtmaschine seines Fahrzeugs… Damit hatte er zwar am 26. Dezember 1932 das Nato-Band erfunden, vergaß jedoch, den Riemen adäquat zu ersetzen – und startete zu diesem Duell ohne funktionierende Lichtmaschine.
Wie erwartet setzte Citroen sich beim Start in Führung, aber etwa auf halber Strecke der langen Geraden, die heute als Hunaudières bekannt ist ging der Batterie der Strom und damit dem Motor die Zündfunken aus und er rollte antriebslos in den Zaun eines angrenzenden Käsehofs.
Armand Peugeot jubelte wie ein kleiner Junge, obwohl er die wahre Bedeutung des Wetteinsatzes nicht kannte – für ihn zählte das Niederringen seines ärgsten Konkurrenten, und der war nun wirklich am Boden zerstört.
André Citroen hielt Wort und übergab seinen Lebenstraum kein halbes Jahr nach dem Auffinden an seinen Widersacher Peugeot.

Dieser Schicksalsschlag sollte für Citroen der letzte sein – daheim angekommen schloss er sich in seine Werkstatt und versuchte aus dem Kopf die Konstruktion der Hamilton zu Papier zu bringen, um sie nachbauen zu können. Die Pläne gelangen durchaus schlüssig, als er jedoch an die Realisierung ging, bediente er sich bedauerlicherweise für ein Bauteil des falschen Materials, das ihm Madame Curie empfohlen hatte. Die Verstrahlung kostete ihn 1935 das Leben, ohne dass er seinen Hamilton-Nachbau fertigstellen konnte. Citroen DSAndrés Ehefrau fand beim Auflösen seiner Werkstatt die Konstruktionspläne und übergab sie dem Chefkonstrukteur von Citroen, André Lefèbvre, der sie zunächst beiseite legte. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges sollte er sie noch einmal hervorkramen und gründlich missverstehen – zusammen mit Flaminio Bertoni schuf er daraus 1954 die Déesse, das zukunftsweisendste Automobil der Geschichte.
Zurück zu Armand Peugeot, der sich das Hamilton-Original an diesem denkwürdigen Silvesterabend 1932 gesichert hatte: er liess seinen Gewinn mangels besserem Wissen daheim einfach in der Scheune auf der Werkbank liegen und widmete sich seinem Tagesgeschäft.

Lange Jahre verbrachte die Hamilton vor sich hintickend in diesem Verschlag in Sochaux bis 1940 deutsche Truppen das Dorf besetzten und die Pretiose als Kriegsbeute mitnahmen. Aus Desinteresse an allem, was nicht „german engineering“ ist wanderte die Hamilton zu den Verbündeten südlich der Alpen, die – typisch Italiener – nicht die Ästhetik ihrer Konstruktion erkannten. Da sie aber gerade am submarinen Expandieren waren, nahmen sie sie zum Vorbild für eine schlecht kopierte, grobe und dreist-einfache Taucheruhr, die sie unverständlicherweise auch noch nach Brot benannten: die Panerai, die natürlich nicht ansatzweise an die Genialität der Vernes-Schöpfung heranreichte. Das Original hingegen landete, als sich der Wahnsinn des Krieges dem Ende zuneigte, in einem beschaulichen norditalienischen Dorf, Maranello, genauer bei einem gewissen Enzo Ferrari.
Enzo FerrariDieser Enzo nun, ein Mann aus einfachem Hause, hatte es beim immer noch hoch angesehenen Automobilhersteller Alfa Romeo in den 20er- bis 40er-Jahren zu erklecklichem Ruhm und Ehre und einem wohldotierten Posten als Rennleiter gebracht, was ihn nicht daran hinderte, einerseits unhaltbar cholerisch und dann auch noch Legastheniker zu sein. Also freute er sich ungemein, als die abziehenden Soldaten ihm aus dem Laster heraus die Hamilton vor die Füsse warfen – denn sie hatte grosse, schöne Ziffern, auch gerade, und die konnte er vorzüglich in seinem Job gebrauchen, wo es andauernd um Zahlen ging.
Er steckte zu dieser Zeit mitten in der Emanzipation von seinem Arbeitgeber Alfa Romeo und da ihn sein bester Fahrer Alberto Ascari dauernd mit Gehaltforderungen belästigte und die Lira schon damals schwindelerregend wertlos war, kann der geneigte Leser nun ahnen, was passierte: Ferrari verkaufte Ascari die Hamilton als Gehaltsscheck, indem er einfach alle Zahlen auf dem Ziffernblatt miteinander multiplizierte und ihm die resultierende, astronomische Summe als Gegenwert nannte.
Alberto AscariAscari wiederum dachte nicht daran, die Uhr zu vergolden, vielmehr reihte er sich unter denen ein, die die Hamilton missverstanden hatten… Er glaubte, die Uhr könne ihm zum Weltmeistertitel verhelfen, weil man einerseits wunderbar gegen sie fahren und andererseits durch die Betätigung der Regelventile das Fahrwerk seines Boliden den Streckengegebenheiten anpassen kann. Dem war natürlich nicht so, aber der Glaube versetzte Berge und Ascari gewann die F1-Meisterschaft ’52 und ’53 durch fleissiges Schrauben und die Turboloch-Countdown-Funktion. Das Geheimnis seines Erfolges behielt er bis Ende 1953 für sich, doch dann erzählte er dem aufstrebenden Colin Chapman von der wundersamen Fahrwerksregelung, nur um ausgelacht und aufgeklärt zu werden. Colin ChapmanDer Verlust seines Glaubens stürzte ihn in eine tiefe Sinnkrise, während Chapman – listig wie er war – die Idee auf eine Serviette skizzierte um sie irgendwann selber aus dem Hut zu zaubern… Gut 30 Jahre später sollte die aktive Fahrwerksregelung für eine kleine Revolution in der Formel 1 sorgen.
Alberto Ascari hingegen wechselte von Ferrari zu Lancia, weil das ja jetzt egal war, und benutzte die Hamilton fortan ebenso halbherzig, wie er fuhr. Bis zum schicksalhaften GP von Monaco 1955, wo er, als die führende Mercedes-Phalanx ausfiel, Morgenluft witterte und unter den gestrengen Augen der gesamten Society beherzter als nötig Gas gab – in der Hafenschikane ging es mit reichlich Tempo geradeaus durch die Heuballen ins Hafenbecken. Der Lancia ging unter wie ein Stein, Ascari jedoch befreite sich und wurde von einem getreuen Diener an Bord der Yacht von Aristoteles Onassis gehievt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Hamilton dank des „NATO“-Bandes von André Citroen noch am Arm, doch da er vom Sturz noch arg benommen war, merkte er nicht, dass Onassis ihm die Hamilton abnehmen liess – und wahrscheinlich war ihm das auch egal…

Aristoteles OnassisOnassis jedoch nicht. Der hatte schon lange nach einem Weg gesucht, tragfähige Kontakte in Süd- und Mittelamerika aufzubauen und diese Uhr, die ja schon 1914 das politische Gefüge beeinflusst hat, kam gerade recht, um ebendort vielleicht eine kleine Revolution zu entfachen… Bei einem konspirativen Treffen in der Schweinebucht mit 2 hemdsärmeligen Kiffern namens Castro und Guevara übergab er den beiden die Hamilton mit der Maßgabe, doch bitte kurz durchzurufen, wenn Kuba revolutioniert ist. Aristoteles O. wahr wohl nicht mit dem Geist seiner antiken Landsleute gesegnet, denn natürlich blieb der Anruf aus und er ein armer reicher Mann…
Castro und Guevara hingegen übernahmen Kuba en passant – die Hamilton diente dabei multifunktional zur Navigation im subtropischen Dschungel, als Luftpolsterfolien-Ersatz in giftigen Situationen und nicht zuletzt als optisches Folterinstrument für renitente Ewiggestrige.
Nun war das ja auch geschafft und die Welt ein bisschen spannender, Fidel und Che konnten sich endlich dicke Zigarren und 5-Jahres-Pläne zu Gemüte führen, aber nein, sie zerstritten sich ob der Hamilton… Che wollte sich nicht mit Kuba begnügen und hatte bereits die USA ins Visier genommen – für dieses Vorhaben benötigte er die Wunderuhr. Fidel hingegen war mit dem Platz an der Sonne vollauf zufrieden und begann sein Volk mit Politik und Zigarren zu beglücken. Die Hamilton wollte er nicht herausrücken, denn seine Zigarrendreher hatten herausgefunden, dass die Zigarren durch die rhythmische Induktierung ebendieser besonders vollmundig geraten.
Castro/GuevaraChe zog also aus und bereiste China und Nordkorea, weil er gehört hatte, dass in Asien besonders gute Uhren-Plagiateure sitzen und diese ihm vielleicht eine Kopie, besser als das Original anfertigen könnten… Der Rest ist Geschichte, die Chinesen konnten ihm auch nicht helfen und er endete sinnsuchend im bolivianischen Dschungel.
Aber auch Fidel war kein Glück beschieden, denn Kennedy, der stylische, dynamische Jungpräsident der USA war grosser Fan der vorzüglichen kubanischen Zigarren und sah es natürlich nicht gerne, dass das Geheimrezept der Vollmundigkeit beim Klassenfeind liegt.
Viel wurde kolportiert über die Kuba-Krise 1962, die Wahrheit ist: es kam wie es kommen musste. Kennedy versuchte mit militärischen Einschüchterungsversuchen Castro die Hamilton abzujagen um die USA zum Zigarrenmonopolist zu machen und den Haushalt zu retten. Die Aktion geriet zum Debakel und er zog sich den Zorn des Aristoteles O. zu, der immer noch auf einen Anruf aus Kuba wartete…. und die Hamilton blieb auch bei Castro.
John F. KennedyOnassis konnte die Brüskierung seines hoffnungsvollsten Verbündeten in Lateinamerika nicht einfach so hinnehmen und heuerte einen Wahnsinnigen an, auf dass dieser Kennedy erschiesse. Und als dies vollbracht war, ehelichte er – ganz Ehrenmann – auch noch die Witwe Jackie. Plötzlich lief es wie am Schnürchen, das Telefon klingelte auch und er konnte ein paar Geschäfte mit Fidel tätigen.
Für die Hamilton begann abermals eine dunkle Periode, denn Fidel musste sich nun um wirklich wichtige Dinge wie der Laune der russischen Staatsoberen und so abstrakte Dinge wie Wirtschaft kümmern. Darob verwaiste die Zigarrenproduktion und die Hamilton wurde nur noch zum obligatorischen Volkswinken hervorgekramt.
Es lief nicht gut für Fidel, die Russen kamen und gingen, die 5-Jahres-Pläne waren utopisch und zu guter Letzt fanden ein paar versprengte Deppen im Osten Europas, dass Kommunismus keine so gute Idee sei und stürzten das ganze Kasperle-Theater da drüben, auf das er sich immer verlassen hatte. Hätte er sich nur mal der Hamilton gewidmet.
So aber kam er in gesundheitliche und vor allem finanzielle Schwierigkeiten und in seiner Verzweiflung wendete er sich an den Vorzeige-Kapitalisten des neuen Russland, an Abramowitsch. Im Tausch gegen die Hamilton erhielt er etwas Öl, eine Gefängnis-Frei-Karte und die 4 Bahnhöfe…. Ein schlechter Tausch, hätte er doch eher eine Gesundheitskarte und eine Imageberatung gebraucht.
AbramowitschAbramowitsch hatte Grosses mit der Hamilton vor: Öl hatte er zwar genug, das war aber für den Verkauf und die Abhängigkeit seiner Kunden reserviert, er selbst baute seine Yacht mithilfe der Hamilton auf Impulsschubantrieb um und segelte mit heissen Frauen um die Welt.
Als die Yacht 2010 zur Überholung in eine Hamburger Werft kam, wurden die Mechaniker dummerweise nicht instruiert und so baute einer von Ihnen den vermeindlichen Schrott aus und nahm ihn mit nach Hause um ihn als profane Armbanduhr auf Ebay zu verkaufen. Ich erkannte sofort die Gunst der Stunde und erstand ein gewaltiges Stück Geschichte zu einem Spottpreis, der selbst Fidel die Tränen in die Augen getrieben hätte….

 

Tja, die Hamilton hat leider viele von ihr initiierte Geniestreiche wie das Turboloch (Porsche, 1974) und die aktive Radaufhängung (Lotus, 1983) nicht live miterlebt, ihr Vater Jules Vernes hat gar fast alles verpennt und ich werde mit ihr wohl in den Untergrund abtauchen müssen, um Abramowitschs Schergen zu entkommen, aber….
…insgeheim ist sie immer noch der Schlüssel zum Weltgeschehen.

Hamilton

Hamilton

Hamilton

Hamilton

Namaste!

21 Januar 2011

Die Neuauflage des Dodge Challanger / Plymouth Barracuda hibbelt ungemein… geradezu unmoralisch, diese abartige Gestaltung. Der würde Che gut gestanden haben, Zigarre im Mundwinkel, Arm raus und niederfrequent grollend über kubanischen Asphalt rollen. Oder in Indien Liebe in die Luft blasen… Herrlich anarchisch. Und mein – zumindest virtuell.

voyage to India

fight capitalism!

Die Wallpaper sind auch auf der Seite ‘Tapeten für’s Volk!’ verfügbar.

A1- highway to Erleuchtung

24 November 2010

Audi A1Der Kreis ist geschlossen, Audi kehrt mit dem A1 zu seinen kleinsten Wurzeln zurück – der Audi 50 hat seinen Pendant im aktuellen Modellprogramm bekommen. Der Vergleich mit dem ehemals kleinsten Audi verdeutlicht aber auch auf unangenehmste Weise, wohin seit etwa einem Jahrzehnt die Reise des Unternehmens geht: mit grimmigem Ausdruck, nuttigem LED-Lidstrich und Messer in der gefletschten Spaceframe-Kauleiste geradewegs in den Unsympathen-Olymp der Glatt-Optimiert-Erfolgreich-um-jeden-Preis-Fraktion.

In bewährter Manier hat die Designabteilung die Linie des Konzern 1:1 auf die Polo-Klasse übertragen – ein Sammelsurium an Drohgebärden, die in der gehobenen Klasse noch gerade so als sportlich durchgehen, in dieser Größe jedoch grotesk anmuten. Der A1 wirkt mit dieser Attitüde wie ein muskelbepackter, zwergwüchsiger Handlanger eines James-Bond-Widersachers. Naja, doch eher wie Austin Powers’ MiniMe – nur lustig ist er leider nicht…
…stattdessen also pulsierende Bizeps-Radhäusern im König-Breitbau-Format, dopingunterlaufene Aggro-Augen mit LED-Kampfuntermalung, ein Rumpf wie ein Stumpf und ein Dachaufbau, so filligran und entbehrlich wie das verkehrtherum getragene Baseball-Cap auf dem Vakuum eines Türstehers.

VW SciroccoEigentlich hat ja Peugeot damit angefangen, aber wirklich schuldig sind sie nicht, man weiss nicht wie der 207 hätte wirken sollen, nur, dass er im Endeffekt sehr naturnah wie ein an Land nach Luft schnappender, verendender Fisch geworden ist – Audi hat konsequent angeknüpft, den Kopf dieses Fisches reanimiert und mit landtauglicher Muskelmasse angereichert. Derlei Frankensteinerei sollte verboten werden… aber auch die schamlose Bedienung bei unvorteilhaften Lebewesen, denn der einem Schnabeltier ähnelnde Scirocco aus selbem Haus macht es nicht besser. Aber lassen wir das.

Wir haben lange auf „Premium“ in dieser Klasse gewartet, uns mit grottigen Konkurrenzangeboten abspeisen lassen, die nichts weiter als Haltbarkeit, ausufernde Ausstattungsoptionen, Qualität, ultraspassige Go-Kart-Fahrwerke und spritzige Motoren bieten – jetzt endlich werden wir erhört.
Jetzt kommt „Premium“! Einlullende Softlack-Oberflächen, Design, Design und nochmals Design, verquickt mit durchdachter Elektronik und dem Flair der trendigen Audi-Lounge. Dass das Auto dreinschaut wie wir, wenn wir mit Sodbrennen und Leistungsdruck zum nächsten Meeting eilen, macht es uns nur noch sympathischer und räumt mit dieser Visage all die Leistungsverweigerer aus dem Weg, die uns leistungsbereiten Konformisten so zuwider sind!

…die horrenden Wartungskosten für die (gewinnoptimiert) durchdachte Technik zahlt die Firma und wenn in 6-8 Jahren der Softlack Blasen wirft, die Plastikschalter Zellteilung üben, das venetzte Multimedia-Bohei nach 28 Reparaturversuchen in künstlichem Koma liegt und der dritte Motor Lagergeräusche macht, fahren wir längst A3, A4, oder wenn wir besonders viele Abschlüsse geschafft haben A5-8 oder gar Qx.
Wir müssen uns sowieso beeilen mit dem Kauf eines dieser schnuckeligen Premium-MiniMes – zum Einen weil schon das erste Facelift mit neuem Glitzerkram und anders geformten Tageslicht-Aggressoren unser Modell sehr alt aussehen lässt. Zum Anderen weil Audi unter Umständen schon sehr bald dieses neue, wie immer äusserst innovative Bevormundungs-Modul namens „Travolution“ in die Serie einfliessen lässt. Dass es ganz so funktioniert, wie man das von Audi gewohnt ist, kann man hier nachlesen.

Abschliessend können wir uns bei diesem hochentwickelten Konzern einfach nur herzlich bedanken, dass er uns eine weitere Stufe auf der Leiter vom Höhlenmenschen zum erleuchteten, spirituellen Globalwesen andient. Danke.

Audi 50

Morgengrauen…

14 Januar 2010

…6:40 – der Wecker nervt, draufgehauen/ausgemacht.
6:41 – die gefühlten 577 Nachbarn im Haus haben sich ihre Edelstahl-Schuhe angezogen und gehen alle auf einmal selbstsicher aufstampfend durch das spärlich gedämpfte Treppenhaus ins Freie…
6:42 – mein linkes Auge stirbt den kleinen Tod und geht zu… jetzt bloss nicht wieder einschlafen!
6:43 – das rechte Auge folgt – oh himmlischer Schlaf, wie gerne lasse ich mich von Dir verführen!
6:44 – die anderen 1842 Nachbarn sind aufgestanden und haben ihre Blei-Hausschuhe angezogen und ihre Töchter verprügelt, damit diese möglichst laut schreien.
6:45 – Schlaf ist definitiv weiblich. Wunderschön, weich, sooo herrlich und sehr scheu gegenüber Kreissägen, Presslufthämmern, Bleischuhen und ADS-Blagen
6:46 – die verfickte Snooze-Funktion funktioniert auch noch.
6:46 – wegdrücken, nur noch einmal, wirklich!
6:47 – ich knutsche gerade innig mit DER Schlaf, als die städtische Müllabfuhr mir etwas Gutes tun und meine Umgebung romantischer gestalten will. Danke, Jungs, das geht aber auch ohne Geschrei…
6:48 – nur noch 5 Minuten, wirklich!
6:49 – doch nicht… eine halbe Million dieser bekackten Dieseltriebwerke starten gleichzeitig, um ihre geizigen, einheitlich angezogenen, denkenden, sparenden und sterbenden Pinguine an ihre Bank-Arbeitsplätze zu husten.
6:50 – ein exotischer und einsamer BMW-6-Zylinder startet und wiegt mich mit seinem seidigen Klang der Vergangenheit wieder in DIE Schlaf
6:55 – der dritte Snooze-Angriff ist generalstabsmässig geplant und wird scheinbar mit einer Schwadron Düsenjets der Kategorie „ohrenbetäubend“ geflogen. Ich bin wach.
6:56 – Shit! Am Fussende des Bettes lacht mich die gestern abend nicht mehr aufgehängte Wäsche an. Ja, lach’ Du nur! Ich kann Dich auch verschimmeln lassen, da staunste, nä?
6:57 – Kaffee. Soll ich, oder soll ich nicht? Die Betätigung des Lichtschalters im Flur lässt die entsprechende Glühbirne lautstark ableben. Die fast vergessene Liebe zur EU-Glühbirnenverordnung erfüllt wohlig wärmend meinen Körper.
6:57 – Um in der Dunkelheit keinen Sachschaden anzurichten, mache ich das Licht im Arbeitszimmer an – ein schon längst tot sein müssender Hase glotzt mich blöd an und bedeutet mir, dass er über Nacht schon wieder den grossen 57-Liter-Wassertank leergesoffen hat und ausserdem Hunger hat (oder was will er mir durch das Nagen an Metallgitter sagen?)
6:58 – Toast ist alle. Das Kind hat dem Hasen das Futter weggemampft… Und ich habe vergessen, Kaffee zu kaufen.
6:59 – Ein Glas Leitungswasser und eine Zigarette, was will man mehr? Z.B. dass man gestern abend nicht vergessen hat, den Aschenbecher zu leeren – und vielleicht, dass man gar nicht raucht…
7:03 – Hoppla, Mensch muss Blase entleeren! Dass Klos aber auch immer so eng sein müssen! Ich schmeisse das „Feigenblatt“ runter und beschliesse es auf der Seite aufzuschlagen, wo die Fotografin der nackten Männer abgebildet ist.
7:05 – Jetzt aber schnell! War ja nur so eine Idee… denn natürlich ist die Zahnpasta leer und das Auspacken der neuen kostet wertvolle Sekunden. Zum Wegwerfen der Packung und der leeren Tube bleibt keine Zeit.
7:10 – Wo ist mein Hemd? Und wieso sind meine Schuhe dreckig? Ach so, es hat gestern geregnet – so, wie vorgestern, letzte Woche, letzten Monat, die letzten Jahre, eigentlich seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wird wohl bis 2012 so weitergehen…
7:14 – Beim schwungvollen Öffnen der Eingangstür fällt der daran befestigte liebliche Engel herunter. Naja. Als die Treppenhaustür hinter mir zufällt – nicht vorher! – fällt mir ein, dass ich mein Handy vergessen habe. Ich mag Schlüsselkramen und Schlossbetätigen!
7:16 – Fuck, wo liegt dieser beschissene Mobil-Backstein? Ich rufe ihn vom Festnetz aus an, es klingelt unter dem Kopfkissen…
7:18 – Wo ist mein Auto? Es stand doch vor der Tür? Ach, nee, es steht 2 Strassen weiter, war ja nichts frei vor der Tür…
7:24 – Rechts vor Links, Du Vollhorst! Ich denke an Otto, schreie „Aaaarschlooooch!“ und ärgere mich, dass er mir nicht reingefahren ist und mich reich gemacht hat. Wegen diesem Hornochsen verpasse ich die Grünphase um Millisekunden – 7 Minuten warten.
7:33 – Bei der Ex den Sohn abholen und zur Schule bringen. In der Strasse ist die Armee der fremdgesteuerten Pinguine zwar partiell schon aufgebrochen, aber sie haben, um auf keinen Fall infiltriert zu werden alle Parkplätze mit ihren Zweit- und Drittwagen belegt.
7:35 – Wagen steht vor einer Einfahrt, egal jetzt! Ich betrete die Wohnung, der Kater begrüsst mich mit einem ordentlichen Morgenschiss. Ich rechne im Kopf nach, was die operative Entfernung meiner Nase so kosten würde…
7:36 – ich schlafe kurz im Stehen ein. Nur kurz, wirklich!
7:45 – Kind, wir müssen los, wirklich! „Ich muss nocht Kaka!“ Na toll.
7:52 – Mit heruntergefahrenen Seitenscheibe und rausgestrecktem Kopf peile ich den Schulweg an. Durch die Windschutzscheibe könnte ich theoretisch auch schauen, aber die ist weiss. Beschlagen, wahrscheinlich weil es seit 1853 regnet.
7:59 – Sohn, gib’ dem Papa einen Kuss, er hat Dich wieder auf den Punkt hingebracht!
8:01 – Stau
8:10 – Immer noch Stau, jetzt 30 cm weiter.
8:15 – Das ist gar kein Stau! Es ist die tägliche Kundgebung der Soccer-Mom-Organisation, die sich mit überdimensionalen SUVs und Vans dafür einsetzt, dass sie ihre nicht durch Arbeit gestörte Freizeit noch schöner gestalten kann!
8:20 – Beim Versuch, rückwärts in den Büroparkplatz zu fahren (vorwärts geht nicht, man kriegt die Kurve mit 160 nicht hin) werde ich von einem Linienbus und etwa 1598558358 Soccer-Moms lautstark angehupt. Auch egal.
8:22 – Juchuu! Ich darf endlich arbeiten! Google erstmal nach Massenvernichtungswaffen…

Die tollkühnen Finnen in ihren querfliegenden Kisten…

18 Januar 2009

..ja, auch vor der Gruppe B gab es Irrsinn – moralischen, patriotischen und physikalischen… Man achte auf den Verfasser des Artikels (vom Tellerwäscher zum Millionär sozusagen) und die trockene Bemerkung von Röhrl zum Schluss – köstlich! (N00bs: Bilder anklicken, dann lesefreundliche Auflösung)

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…für die Sammler hier das PDF:
Monte Carlo 1979

R8 TDI – Sargnageln mit Audi

17 Januar 2008

R8 TDI Ich bin müde, sehr müde. Je komplexer die Welt um uns herum wird, desto mehr werden subtil vielschichtige Dinge auf das augenscheinlichste Merkmal reduziert – im Gegenzug bekommen einfache Dinge Feature-Elephantitis.
Die Tomate ist rot – fertig. Das Betriebssystem hingegen ist jetzt eine Multimedia-Zentrale. Der Kaffee kommt aus dem Pad – fertig. Das Handy hingegen ist ein kleiner Computer, mit Organizer, Spielen, Bluetooth.
Im Falle „Sportwagen“ ist es eben die Leistung, fertig.
Das Drumherum, das eigentlich gerade hier in den Hintergrund tritt, ist gewaltig: 27 Airbags, Head-Up-Display, Klima, adaptives Fahrwerk und Getriebe, elektrische Sitze, Soundsystem, Navi, ESP und ABS, Bremsassistent usw…

Und die grandiosen Vordenker schaffen es trotz Reduktion, in die einzig verbliebene Blamage zu rauschen: auf 1000 NM begrenztes Drehmoment. Aussage: wir forschen noch. Unsere neue Milch ist spezifisch aber so schwer, dass wir das Tetra-Pack nur 3/4 füllen können, weil es sonst zerbirst. Nun ja.

Gewisse Standards haben sich sicherlich durch Gewohnheit gefestigt – und Vordenker stehen oft vor dem Problem, diese Gewohnheiten mühsam zu brechen.
Peterbilt-DuellEin röhrender Diesel gehört in diesem Kontext zu einem Haubenlaster mit min. 1,6m Kühlerhöhe, Sidepipes, hinterer Doppelachse mit Tiefstbettfelgen und ordentlich Patina, das hat uns spätestens Spielberg eingebleut.
Nun sitzen bei Audi aber keine Vordenker, sondern Partyhengste mit maximaler Gewinnorientierung. Sie überlesen alles, was nicht mit Börse oder Society zu tun hat. Sonst wäre ihnen klar, dass der Diesel keinen Hauch länger leben wird, als der Benziner – und sich dazu noch in diesem Anwendungsszenario selbst ad absurdum führt.
Und da möge jetzt keiner kommen und behaupten, dass der R8 TDI ja viel weniger verbraucht, als vergleichbare Benziner – beim zu erwartenden Verbreitungsgrad dieser Wanze ist das der Furz eines Flohs auf dem Jupiter. Und derjenige, der „Kleinvieh macht auch Mist“ einwirft, geht morgen schön in den Baumarkt und holt sich einen Besen, um vor der Haustüre besser kehren zu können.

Was bleibt, ist eine „Technologie-Demo“ im Beta-Stadium. ‘Das wird mal ein ganz grosser’ freut sich Papa Audi, im Moment drückt das Kind aber mit zentimeterdicken Brillengläsern und Klumpfuss-Schuh die Schulbank – zusammen mit diversen Sonderschülern von Brabus und AMG. Wie man die Schule erfolgreich absolviert, zeigt der M5.

Reduzieren wir also weiter – was bleibt? Markenideologie. Der TDI ist unser Aushängeschild, geheiligt werde der TDI.
Gut, rein damit, ist ja nur ein Motor, alle Baureihen stillgestanden!
A2 – gestorben, zu hässlich (auch wenn Jochen ihn für gut befunden hat)
A3 – Golf-Ableger, Massenautos mit Outlet-Charme, perfekt, die krepieren wenigstens schnell an ihren Besitzern.
A4 – auch gut, Papa kriegt Bumms und kann sparen – Libido wächst („…hab’ heute ‘nen Porsche gebügelt, der kam nicht mit, ehrlich!“ *Lanzeaufgeh*), mehr Geld für Beate Uhse oder den örtlichen Puff über…
A6 – sehr gut! Vertreter dieser Klasse reissen Unmengen Kilometer runter, jeder gesparte Liter Rohöl kann von einem Liebhaber irgendwo auf dieser Welt stattdessen in das Befeuern eines grollenden Muscle-Cars investiert werden.
A8 – nun ja, man hat sich dran gewöhnt. Und eigentlich passt es ganz gut, die Dinger stehen ja oft genug stundenlang mit laufendem Motor rum und warten…
R8 – es musste kommen, als sie tatsächlich so etwas wie einen Sportwagen fertig hatten, bekamen sie Angst vor der eigenen Courage. Also Todesstoss per TDI.
Sportwagen: Leistung, Geräuschkulisse, Rückmeldung, Handling verschmelzen zu einem erweiterten Nervensystem. Konstruiert, um adaptiert zu werden, nicht elektronisiert, um zu täuschen und heimlich zu bestimmen.
TDI: durch schmales Drehzahlband als Stationärmotor für z.B. Wasserpumpen prädestiniert, Geräuschkulisse einer laufenden Bohrmaschine in einem Blecheimer voller Metallschrott, digitale Dosierbarkeit.
Wie konnte die Automobilindustrie nur so lange diese Liebesheirat unterbinden?

Was bleibt, ist also ein Audi. Und Audi ist innovativ, denn sie haben als erste das revolutionäre Konzept der ferngesteuerten Modellautos aufgegriffen: Eine Plattform, die mit beliebigen Karrossen bestückt werden kann (nur anmalen muss man einen Audi nicht mehr)…

Ich will auch nicht hören, dass ich ja diese grandiose Praline noch nicht erfahren habe – jeder Günther, der sich im realen Leben maximal einen neuen Tata leisten kann, würde nach einer Probefahrt mit Maulsperre aussteigen. Sportwagen werden aber nicht für Günther gebaut. Bis jetzt. Denn einige Günthers haben es auch ohne stilistische Weiterentwicklung zu Geld gebracht – und diese Günthers gilt es nun anzuzapfen.
Die Uniformität der Modellpalette findet ihre Entsprechung im Musterkäufer Günther. Der kleine Angestellte G. bekommt den A3 zu günstigen Leasingkonditionen, der Manager G. soll sich den R8 TDI leisten. Nachdem sein Schweiss im Kampf gegen ein digitales Fettverbrennungs-Messgerät geflossen ist, setzt er sich in seinen neuen Trecker und flaniert ins „Le Gourmant“ , um sich dort eine holländische Gewächshaus-Tomate als Roma-Pretiose andrehen zu lassen. Ob der Koch keine Angst hat, dass er es merkt? Nein, unwahrscheinlich.

Und nächstes Jahr wird es in Le Mans noch etwas leerer und ruhiger sein. Audi wird gewinnen, die geladene Presse artig applaudieren. Im Fernsehen keine Übertragung, nur eine kurze Meldung im Sportteil der Nachrichten. Audi gewinnt alles,nur keine Sympathien und Emotionen.
Brooklands
2011 dann wird im Juni ein Schild an der Strecke hängen: „Die diesjährigen 24 Stunden von Le Mans finden nicht statt“. Die Natur wird sich mit den Jahren der Tribünen bemächtigen und ab und zu wird ein alter Mann wehmütig durch den Zaun blicken, während draussen irgendwo ein TDI vorbeinagelt.
Willkommen im Reich von Brooklands.

Neue Seite – Tapeten…

16 Januar 2008

…rechts! Für umsonst – sowas aber auch, tzz…

…kürzlich vor dem Sonntags-Fahrverbot…

14 Mai 2007

…war die Welt auch nicht mehr soo in Ordnung, wie es manchen aus heutiger Sicht erscheint – aber für 95 Phon für das lauteste Auto des Jahres reichte es noch. AMS Nr 25 vom 9. Dez. 1972 (Bilder für eine augenfreundliche, lesbare Auflösung anklicken):

titel

…der unaufhaltsame Untergang von BMW begann schon ein halbes Jahr zuvor und man fragt sich, wie eine derartige Murks-Marke heute an der Börse so hoch gehandelt werden kann. Tzz, tzz.

…nach dem obligatorischen Gemecker der kundigen Leserschaft zum letzten Heft folgt auf dem Fuss eine kostenpflichtige Blamage aus VWs dunkelstem Kapitel – die noch peinlicher wird, wenn man den Hauptslogan seitenweise aufteilt… (man beachte auch den Tippfehler, der behauptet, dass aus dem bekannten 412E der neue 412E wurde – allerdings geht es um den 412LE…)

…dass die Wehwehchen der heutigen Neuwagenbesitzer (abgesehen vom völlig absenten Emotionsfaktor) nicht neu sind, zeigen diese süffisanten Leserberichte:

…eine Frage, die Freaks ohne Vorkenntnisse wohl noch lange beschäftigen würde, ist die nach der späteren Nutzung des gloriosen AMG Mercedes 300SEL 6,8, der nach dem 2. Platz in Spa durch eine Reglementsänderung arbeitslos wurde…

…heisses Gerät, der damalige Porsche 911 2,7 RS – sogar zur Scham des Mutterhauses, denn wenn man die Werksangaben aus dieser Anzeige hernimmt, dann benötigt dieses flinke (und im Übrigen urig spassmachende) Urzeitvieh auf 100 km/h gerade mal 0,4 sekunden mehr, als der 1979 vorgestellte 911 Turbo 3.3 (210 PS zu 300PS; 5,8s zu 5,4s) – man beachte das Nummernschild und merke es sich für eine spätere Reifenwerbung vor!):


…die Autos besagten Jahres – natürlich erstmal nur die Superlative – man beachte die heute völlig verwahrloste Kategorie „lautestes Fahrzeug“, belegt von einem BMW 3,0 CSL Schnitzer; wer ihn einmal gehört hat, wird sich bei der Qualität mehr als die gemessenen 95 Phon wünschen („Phon“ – ihr versteht? Nicht dB ;-) )

…so, nun die Textpassagen für Interessierte – lauter Test von aus heutiger Sicht „indiskutablen“ (tzz, tzz..) Fahrzeugen – kein Airbag, Trommelbremsen, kein Seitenaufprallschutz, keine Klima, Servo, nirgendwo Einspritzung, Lambdasonde, Kat oder Wisch-Wasch-Anlage; sowas aber auch! Nee.

…Werbeunterbrechung – jetzt bitte wieder das Nummernschild der Porsche-Anzeige aus der Schublade kramen – und auf die rasant gekleidete Fahrerin achten!

…und zu guter Letzt die Erinnerung an jene dem Untergang geweihten, verzweifelten Zeiten, als Porsche in der CanAm und der Sportwagenmeisterschaft den ultimativen Sprengsatz des süssen Wahnsinns zündete – der defintive 917/30 CanAm brachte es in schärfster (Trainigs-)Abstimmung auf brachiale 1900 PS – Kleingeister, schweigt!

…das war’s für heute – ich fühle mich wieder lebendig; und „Hell’s bells“ sind nicht apokalyptisch! Die unentgeltliche Überlassung von spritfressenden Rostmonstern mit Weber-Vergasern, hakenden Tachowellen, kippenden Kolben und untragbaren „Vibrations“ wird gerne als Spende quittiert…

…what have they done to my kar_ma?

20 Oktober 2006

Die Grüsse an Lotus konnte ich nun nicht ruhen lassen – Die Neuauflage des Elan 1989 unter der internen Bezeichnung M100 hätte diesen putzigen Hersteller fast die Socken gekostet! Was hat sich GM dabei gedacht, Lotus dieses Auto entwickeln zu lassen?
Chassis (Kernkompetenz) und Kunststoff-Karrosserie (negative Kernkompetenz) durften Eigenentwicklungen sein – bei der Gestaltung hat man sich völlig schamfrei und entgültig die Krone der Hässlichkeit aufgesetzt und war dabei auch noch so blöd, den Untergang von Treser zu kopieren…
Da aber der Kohl noch nicht fett genug war, dachte man sich in Norfolk, es wäre bestimmt spannend, den völlig unsportlichen Frontantrieb mal zu lotuisieren – da klaut man das Design des Treser, der nebenbei mittelmotorig war, lutscht dran rum und pflanzt in dieses Chupa-Chup dann einen Quer-Frontmotor mit kraftschlüssiger Verbindung zu den lenkenden Rädern – tzz, tzzz….
Der Kohl war fett, jetzt fehlte das Beigrün: „Uns fehlt ein Motor!“ sagte wohl irgend ein Klein-Chapman zum BigBoss von GM. „Hmm, wir haben da doch so ein Werk in der Abstellkammer, wie hiess das nochmal – ach, ja, Isuzu! Die haben so Klumpen mit vier Töpfen, borgt euch die mal aus – und jetzt schnell zurück in den Sandkasten, Papa hat keine Zeit für Kinderkram!“ …so, oder so ähnlich wird die Antwort ausgefallen sein.
Mit dem Ergebnis, dass das Püppchen eins hinter die Augen bekam – ein 1,6 Liter Isuzu-Triebwerk mit 4 Zylindern, 16 Ventilen, Turboaufladung und 162 PS bei 6600 U/min. Objektiv ist das nun gar nicht schlimm: Der Wagen wog 840 kg, da sollte es vorwärts gehen – aber wie? Wer sollte das kaufen? Die offizielle Marketing-Grütze dazu:
„This car was built to allow 100 per cent of its owners to use 90 per cent of its performance 90 per cent of the time“ – blub! Man ahnt, dass im Falle der Bewahrheitung ein Aufenthalt auf englischen Strassen gut versichert sein will…
Als die Macher das Vehikel aus der Halle ans Tageslicht schoben, wurde ihnen klar, was sie getan hatten – das hohe Sendungsbewusstsein liess sie zu dem Entschluss kommen, mit diesem Bastard auf keinen Fall Gewinn zu machen. Gesagt, getan, von 1989 bis 1992 (vorläufiges Ende des Dramas) zahlte Papi GM brav für den Mist drauf… Erstaunlicherweise wurden beim Aufräumen der Kinderzimmer in Norfolk noch 800 verwaiste Motoren gefunden, so dass man eilig noch eine Serie (S2) anschmiss – noch erstaunlicher, dass diese 800 Exemplare weggingen wie warme Semmeln. Auch Fehltritte steigen im Wert…
Kleines Sahnehäubchen am Rande: Kia baute für den asiatischen Markt einen Zwilling – brrr…
Nun, der Vollständigkeit halber: Wie fährt es sich? Gut, sehr gut – für einen Fronttriebler. Das ist aber auch alles. Keine Emotionen, die sich wie eine Kinoleinwand aufbauen und den Blick verwehren auf das, was man hier nackt und unerbittlich sieht und hört: schiefe, klappernde, brechende Plastikteile, zickende Instrumente, ein Kindertrompeten-Motorgeräusch, zerrende Vorderräder und das tägliche Bad im Regenwasser… Heilig’s Blechle!
…das erinnert mich an den Alfa Arna, aber das ist eine andere Geschichte.
ehrliches edit: Ja, ich habe ihn selbst gefahren – erste Hand…

…bei TVR

19 Oktober 2006

…ist die Milch alle gegangen – schade. Noch schader, dass ein besoffener East-Cowboy der Meinung ist, der Laden sei zum Mitnehmen… Ich mach das ja auch immer so.
Gut, also keine TVRs mehr, ehrlich gesagt hätte auch ein taffer Finanzberater die Distanz zwischen mir und dem Spielzeug nicht wesentlich verkürzt… Aber was mache ich, wenn mir ein leidlich erhaltener Griffith 400 oder Grantura in den Schoss fällt? Muss ich dann eine 47-stellige Rufnummer in der ehemaligen UDSSR kontaktieren, und versteht die Sekretärin dann Englisch?
Liebe TVR-Eigner, Lukas sei mit Euch und beschere Euch begnadete Spengler und Dreher und Metallpreise, die nicht von dem anderen Idioten mit dicker Brieftasche namens Lakshmi in unerreichbare Höhen getrieben werden.
Es waren schon, ganz vulgär gesagt, geile Schleudern, und so kommt man wenigstens nicht in die Verlegenheit, irgendwann aus falsch verstandenem Sendungsbewusstsein ein frontgetriebenes „Volksmodell“ auf die Räder zu stellen (Grüsse an Lotus) – wobei dem Namen TVR dieses Schicksal wohl nicht erspart bleiben wird. Vielleicht dann mit adrenalinfördernder Lada-Technik… Namen sind Schall und Rauch, Herr Nikolai Smolenski!

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